Die neunten Klassen in Bergen-Belsen - Mai 2011
Von Nico Schaak und Daniel Brinker
Nachdem wir aus dem Bus gestiegen waren, wurden wir von unseren Dozenten begrüßt und in eine Vorhalle geführt. Dort stand ein Landschaftsmodell von dem Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die Schüler schauten sich die Miniaturdarstellung des Lagers an. Man hörte hier und da ein Erstaunen über die Größe des Geländes, mit der wir nicht gerechnet hatten. Danach gingen wir durch einen Glasgang in eine kleine Ausstellung mit Bildern und Texten auf großen Stellwänden. Einige der Bilder waren ziemlich schockierend. Wir waren auch nicht die einzigen Besucher, an uns ist sogar eine englische Familie vorbei gegangen.
Nach der Ausstellung wurden wir in einen Schulungsraum mit einem Beamer gebracht. Der Beamer warf einige Luftskizzen von dem KZ in den Jahren 1941, wo es noch ein Kriegsgefangenenlager für russische Soldaten war, an die Wand. Darauf folgten weitere Bilder, die die Entwicklung des Lagers, das in den folgenden Jahren zum KZ „umgerüstet“ wurde, dokumentierten.
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Hiernach sind wir mit unserem Bus zu der Bahntrasse gefahren, die von Celle über Bergen nach Belsen verläuft. Gleich hinter einer Brücke links, auf dem Parkplatz, befindet sich ein Mahnmal. Dieses wurde am 26. Januar 2008 hier eingeweiht. Es soll an die nahe gelegene Bahnrampe erinnern, auf der die Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge ankamen. Sie wurden mit der Reichsbahn hierher transportiert und mussten von hier - noch geschwächt von dem Transport - 5 bis 6 km zu Fuß in das Lager marschieren. Vom Parkplatz führt entlang der Bahntrasse ein schmaler unscheinbarer (aber ausgeschilderter) etwa 600 m langer Fußweg zur Verladerampe. Die AG Bergen-Belsen hat dort einen baugleichen „gedeckten Güterwagen“ aufgestellt; er steht dort als Mahnmal und Sinnbild der Verschleppung. Ein Teil der Rampe und des Gleises wurde auf deren Antrag im Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt. Am Bahnhof wurde uns noch einiges von unserem Dozenten erklärt, zum Beispiel unter welchen Umständen die Menschen damals „abtransportiert“ wurden. Sie wurden nicht wie Menschen sondern wie Tiere behandelt.
Zu den bekanntesten Häftlingen gehörten neben Anne Frank und ihrer Schwester Margot auch der vormalige braunschweigische Ministerpräsident Heinrich Jasper, die Schriftsteller Jean Améry, Anita Lasker-Wallfisch und Josef Čapek, Leopold Szondi, der Reichstagsabgeordnete Julius Adler sowie Israel Shahak und der Jurist Paul Dienstag. Der Vater des Regisseurs Roberto Benigni war ebenfalls einige Zeit in dem Lager gefangen. Die verschieden Geschichten, die jeder einzelne Häftling zu erzählen hätte, sind unzählig. Doch Tote reden nicht.
Nach unserem Besuch der Laderampe gingen wir durch das ehemalige Lagertor, von dem heute leider nichts mehr übrig ist, wie von den meisten Gebäuden. Nach dem Tor kamen direkt die Überreste der Entlausungsanlage, wo man versucht hat Krankheiten und Erreger aus dem Lager fern zu halten. Einige Häftlinge dachten, dass die Duschen in der Anlage Gaskammern waren, doch Bergen-Belsen war kein klassisches Vernichtungslager. Das Fernhalten von Krankheiten hat nicht wie erhofft geklappt, da die verwesenden Toten Krankheiten auslösten (z.B. Typhus) und Tausende „ förmlich" verreckten.
Auf unserem Gang entlang verschiedener Ruinen und Gedenksteine wurde uns immer wieder bewusst, wie groß das Gelände ist.
Wir kamen zu einem langen Becken, wo früher Löschwasser für die benachbarte Küche aufbewahrt wurde. Nur 3 Meter weiter sind 14.000 bis 18.000 Menschen an Durst und Hunger gestorben.
Gegen Ende unserer Außenführung kamen wir zu einem der 14 Massengräber, alleine in diesem ruhen 1.000 tote Juden und von den Nazis als minderwertig angesehen Menschen. Insgesamt geht man von 50.000 Toten aus.
Wir trafen uns nach einer kleinen Pause in dem Schulungsraum wieder. Dort bekamen wir die Aufgabe zu zweit zu einem überlebenden Häftling in der Hauptausstellung zu recherchieren.
Als wir in der Ausstellung waren, haben wir unter anderem einen Film gesehen, der die Zeit nach der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Briten zeigte. Da die SS-Deutschen viel zu lange mit der Beseitigung der Leichen - wohl noch Wochen oder sogar Monate - zugebracht hätten, ordnete man an die Toten Menschen mit Bulldozern in die Gräber zu schieben. Dies ist ein respektloser Anblick, doch die Briten wussten nicht, was sie mit den ganzen Leichen machen sollten. Um Krankheiten zu beseitigen, brannten sie auch mit Flammenwerfern das Lager nieder, weshalb heute so gut wie nichts mehr steht,.
In der Ausstellung gab es auch viele Bildschirme mit Interviews von ehemaligen Häftlingen.
Wer wollte konnte auch in einem Buch nach seinem Familiennamen suchen. In diesem Buch sind einige der Häftlinge verzeichnet, doch bei den Angaben "befreit" oder "gestorben" standen oft nur Striche, da die SS-Leute versucht hatten alle Dokumente zu vernichten. Abschließend haben wir unsere Suchergebnisse zusammengetragen.
Am Ende des Tages fuhren wir mit gemischten Gefühlen nach Hause. Wir denken, dass für die meisten die Erlebnisse ein Grund zum Nachdenken sind.
Herzlich Willkommen!